Herausforderungen der Europäischen Union

Internationales Doktorandenkolloquium der Andrássy Universität Budapest, Babeș-Bolyai Universität Cluj-Napoca und der Universität Passau, 13.-15.9.2018, Budapest

Andrássy Universität Budapest

Die Rechtsstaatsprobleme in Ungarn und Polen sowie die Interventionsmöglichkeiten der EU waren ein zentrales Thema des internationalen Doktorandenkolloquiums am 13.-15.9.2018 in Budapest. Diese von den Europastudiengängen der Babeș-Bolyai, der Budapester Andrássy und Passauer Universität gemeinsam veranstaltete Tagung diente dazu, geplante, laufende und vor kurzem abgeschlossene Dissertationsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. read more

Central European University und Ungarn’s illiberale Drift

Interview mit Nina Niebergall, Deutsche Welle, 5.4.2017

Am 4.4.2017 beschloss das ungarische Parlament eine Änderung des Hochschulbildungsgesetzes, die die in Ungarn existierenden Hochschulen aus Nicht-EWR-Staaten dazu verpflichtet,  an ihren ausländischen Standorten einen eigenen Campus zu errichten und darauf beschränkt, in Europa akkreditierte Studiengänge anzubieten. Außerdem sollen diese Hochschulen nur auf der Grundlage eines bilateralen zwischenstaatlichen Vertrages in Ungarn tätig werden dürfen.

Diese Neuregelung betrifft de facto nur die Central European University (CEU), die in den USA als Hochschule akkreditiert ist, aber nur in Ungarn einen Campus unterhält. Nach Einschätzung der Universitätsleitung wäre die CEU damit zur Schließung ihres Lehrbetriebs gezwungen, da sie Milliarden Dollar in einen US-amerikanischen Parallelcampus investieren müsste und keine amerikanischen Studienabschlüsse mehr vergeben dürfte.

Die Gesetzesänderung steht im Kontext einer seit Jahren von der Orbán-Regierung verfolgten Politik, unabhängige zivilgesellschaftliche Institutionen und Akteure zu kontrollieren oder  auszuschalten. Frühere Maßnahmen richteten sich unter anderem gegen die führende Qualitätstageszeitung “Népszabadság”, das private TV-Programm RTL Klub oder die Ökotárs-Stiftung zur Unterstützung ungarischer Non-Profit-Organisationen.

Leider hat die EU bisher abgesehen von einigen Resolutionen des Europäischen Parlaments und Vertragsverletzungsverfahren gegen einzelne ungarische Gesetzesregelungen nichts unternommen, um gegen die systematische Aushöhlung der Demokratie in Ungarn vorzugehen.

Democracies Adrift

How the European Crises Affect East-Central Europe, in: Problems of Post-Communism, 63 (5), September 2016

The present article proposes to study and compare the state of democracy in East-Central European countries. Such a comparative survey is deemed timely because there have been electoral landslides, corruption scandals involving political leaders and mass protests in several of these countries. Popular satisfaction with democracy has declined and democratic accountability institutions have been eroded in Hungary and Poland. These developments pose questions about where these democracies are heading and how their paths are related to the crisis of European integration.

I argue that the crises of economic and European integration together with the existing dealignment between voters and political parties have discredited the nexus between economic integration and prosperity and widened the incongruence between responsive and responsible government. The impact of the crises differs from country to country, depending on institutional constraints, socio-political cleavages and the interrelation of economic and democratic performance. Multi-dimensional policy spaces facilitated the growth of anti-establishment parties in the Czech Republic and Slovenia. Higher performance expectations of citizens, the mixed electoral system and missing institutional safeguards of societal-political pluralism rendered Hungary’s democracy more vulnerable.

Partypositions_EU
(c) Martin Brusis

 

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Spielräume und Grenzen der Visegrád-Kooperation

in Ungarn 1989-2014. Eine Bilanz nach 25 Jahren, hrsg. v. H. Küpper, Zs. H. Lengyel und H. Scheuringer, Verlag F. Pustet, Regensburg 2015, 55-76

Ungarn

Dieser Beitrag bilanziert die Kooperation zwischen den vier ostmitteleuropäischen Staaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn, die auf die Visegráder Erklärung von 1991 zurückgeht und als sogenannte Visegrád-Gruppe organisiert wurde. Vor dem Hintergrund der demokratischen Umbrüche 1989/90 waren die neuen politischen Eliten mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert und sich einig in dem Ziel, ihre Staaten vollständig in das europäische politische, ökonomische, Sicherheits- und Rechtssystem zu integrieren. Dieses Ziel erreichten sie mit den Beitritten zur NATO 1999/2004 und zur Europäischen Union 2004. Dennoch setzten die vier Visegrád-Staaten ihre verstärkte Kooperation nach 2004 fort, und ihre Beziehungen verdichteten sich sogar.

Der Fortbestand der Visegrád-Gruppe nach 2004 erscheint überraschend und erklärungsbedürftig, wenn man berücksichtigt, dass zahlreiche Einflussfaktoren auf eine Divergenz der nationalen Interessen hinwirkten. Während die Beitrittsperspektive als Kooperationsanreiz entfiel, traten Meinungsunterschiede zwischen den vier Staaten in der Folge deutlicher hervor.

Warum hat die Visegrád-Gruppe trotzdem die erste Dekade nach dem EU-Beitritt überlebt und ist nicht in Lähmung oder Bedeutungslosigkeit verfallen?

 

On the Conflict between Orbán and Simicska

An interview with Andrej Matišák from Slovakia’s daily newspaper Pravda, 7.2.2015

In early 2015 Lajos Simicska, an influential businessman affiliated with Hungary’s governing party FIDESZ waged a conflict with Hungary’s controversial Prime Minister Viktor Orbán.

What is this “fight” between Simicska and Orban about, what’s the main problem?

On the surface, Simicska has waged this war against Orbán because he sees his media companies as a victim of the new media advertisement taxation rules the government is preparing. Since the government is under pressure to change the highly progressive, size-dependent tax rates targeting RTL Klub (a looming treaty infringement procedure before the European Court of Justice), the government decided to introduce a tax rate that would burden Simicska’s companies. However, this conflict is probably only a symptom of the more fundamental alienation that has occurred in the course of the last year between Orbán and Simicska, the hitherto prime oligarch of FIDESZ. The most likely explanation seems to be that Orbán lost trust in Simicska and has begun viewing him as too powerful and a threat to FIDESZ rule. Therefore Orbán sought to strengthen other FIDESZ-affiliated oligarchs (Zsolt Hernádi, MOL-CEO, and István Garancsi, Videoton FC owner) in order to reduce his dependence on Simicska.

How serious is this for the government?

Orbán’s rule has now also become threatened from inside the state and party apparatus. Many insiders used to be loyal to Simicska and now have to change their allegiance or have to be purged. This could strengthen insiders who are considering a coup against Orbán. Simicska could also join the opposition movement if the government will act against his assets.

See also Andrej Matišák’s English-language blog.

Regionalparteien in Rumänien und der Slowakei

Vortrag beim EZFF-Autorenworkshop “Regionalparteien nach der Europawahl: Selbstverständnis, Handlungsspielräume und Bedeutung” 23.-25.10.2014, Tutzing

Mehrere Parteien konkurrieren um die Repräsentation der magyarischen Volksgruppen in Rumänien und der Slowakei. Während der Verband der Magyaren Rumäniens (UDMR/RMDSZ) seine dominante Position seit der politischen Pluralisierung Anfang der 1990er Jahre behaupten konnte, verlor die traditionelle Partei der Magyarischen Koalition (SMK/MKP) in der Slowakei gegenüber der 2009 neugegründeten Partei Most-Híd, die magyarische und slowakische Wähler anzusprechen versucht.

In dem Vortrag analysiere ich die Wahlergebnisse, Organisationssstrukturen, Wählerbasis, Programmatik und Koalitionspolitik der magyarischen Regionalparteien sowie ihre Beziehungen zur ungarischen Regierung.