Herausforderungen der Europäischen Union

Internationales Doktorandenkolloquium der Andrássy Universität Budapest, Babeș-Bolyai Universität Cluj-Napoca und der Universität Passau, 13.-15.9.2018, Budapest

Andrássy Universität Budapest

Die Rechtsstaatsprobleme in Ungarn und Polen sowie die Interventionsmöglichkeiten der EU waren ein zentrales Thema des internationalen Doktorandenkolloquiums am 13.-15.9.2018 in Budapest. Diese von den Europastudiengängen der Babeș-Bolyai, der Budapester Andrássy und Passauer Universität gemeinsam veranstaltete Tagung diente dazu, geplante, laufende und vor kurzem abgeschlossene Dissertationsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. read more

Herausforderungen der Trump-Administration für die EU

Podiumsdiskussion mit Ellen Bos und Daniel Göler, Andrássy Universität Budapest, 19.5.2017

Die Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten bedeutet eine Zäsur für die Europäische Union, weil Donald Trump im Wahlkampf und vor seiner Amtseinführung die Fundamente der transatlantischen Kooperation in Frage gestellt hat. In seiner Kampagne gegen das Washingtoner Establishment erklärte Trump die NATO für obsolet und die EU für gescheitert, unterstützte EU-Gegner und begrüßte das britische Austrittsreferendum, lehnte das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ab und kündigte einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkkommen an.

Diese Aussagen reflektieren eine grundlegende Skepsis und Indifferenz gegenüber der westlichen Wertegemeinschaft und der darauf basierenden multilateralen, normgeleiteten internationalen Ordnung. Mit seinem Populismus stärkt der US-Präsident populistische Akteure und Anti-Establishment-Kräfte innerhalb der EU. Indem er die EU als “basically a vehicle for Germany” charakterisierte, bestätigte er europakritische Akteure in ihrer diskursiven Strategie, die EU als Camouflage deutscher Hegemonie zu entlarven.

Zugleich veranlasste die US-Politik jedoch die EU-Mitgliedstaaten zu einer engeren Kooperation in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die EU-Mitgliedstaaten demonstrierten Einigkeit auch bei der Aufrechterhaltung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und beim Abschluss des Freihandelsabkommen mit Japan.

Die Umwälzungen in den transatlantischen Beziehungen und ihre Folgen für die EU waren Thema einer Podiumsdiskussion, die Ellen Bos, Daniel Göler und ich im Rahmen eines trinationalen Doktoranden-Workshop an der Andrássy Universität Budapest veranstalteten. Unsere Diskussion bildete den Auftakt für die Präsentation und Diskussion laufender Dissertations- und MA-Projekte von Studierenden unserer drei Universitäten (Budapest, Cluj-Napoca und Passau).

Medium-Term Strategic Planning

A workshop by SIGMA and Montenegro’s Ministry of European Affairs, Podgorica 11-12 May 2017

To step up its EU accession preparations, the newly elected government of Montenegro has established a new Ministry of European Affairs (MEP) since November 2016. In May 2017, the Ministry organized a government-wide workshop on the coordination of strategic planning together with SIGMA, the joint program created by the OECD and the EU to strengthen public management.

The purpose of the workshop was to discuss the requirements and coordination of strategic plans, to link strategy documents and medium-term budget planning and to define goals and indicators for monitoring and reporting. Apart from MEP, senior civil servants from the Secretariat of the Government, the Ministry of Finance and key line ministries attended the workshop. SIGMA experts included practitioners from Estonia, Latvia and Hungary.

In my presentations, I identified possible links between strategic planning and the budget process and gave an overview on approaches and options of performance measurement. One outcome of the workshop was a clearer rationale for a sector structure of medium-term strategic policy planning.

Sectors can be viewed as an intermediary level between the institutional setup / organizational design of government and the goal orientation or functional logic of public policies. The definition and delineation of sectors reflects the medium- and longterm policy priorities of the government, while being sufficiently broad to enable a flexible definition and readjustment of policy goals.

Sectors can structure and support inter-ministerial cooperation below the cabinet level. Such a cooperation is particularly important for Montenegro because the current government consists of a relatively large number of ministerial portfolios that is likely to reduce the effectiveness of deliberation within the full cabinet of ministers. Moreover, general administrative capacity limits also strongly suggest inter-ministerial cooperation.

We proposed to define seven sectors taking into account the structures of ministry portfolios and the most important medium-term planning documents: Democracy and governance; financial / fiscal governance; transport and energy infrastructure; economic development and environment; science, education and culture; employment, social inclusion and health; euroatlantic integration.

BTI 2018 Kick-Off and Concept Paper

On 12/13 September the core group behind the Transformation Index (BTI) met at Bertelsmann Stiftung’s always impressive Gütersloh headquarters to prepare the new survey wave.

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Swans’ view of the Foundation’s headquarters

BTI is a global expert survey on the quality of democracy, market economy and governance, now in its eighth edition (!) scheduled for publication in 2018. Questionnaires will be sent to country experts at the end of October. The submission of country reports will trigger off an elaborate procedure of reviewing, revising, calibrating, editing and lesson-drawing, keeping us busy throughout the next year.

The meeting was a first occasion for Peter Thiery and me to present the draft of a comprehensive paper that situates the concepts guiding the BTI in the scholarly literatures on democratic theory, democratization, policy reform, good governance, economic transformation and aid effectiveness. Our paper also uses unpublished data from the BTI production process to evaluate the validity of the measurement and aggregation techniques underlying the composite indicators in the BTI dataset. Author-reviewer differences are studied across subsequent BTI editions. Various statistical models are constructed to assess the impact of changes among authors, reviewers and coordinators and to compare the effects of different aggregation rules. We plan to complete and publish the paper during the next months.

Symbolische Orientierungsleistungen und -erwartungen in postsowjetischen Gesellschaften

Workshop des Kompetenznetzes  „Institutionen und institutioneller Wandel im Postsozialismus“, München 21.-22.11.2014

Empirische Studien zur Politischen Kultur in Russland und anderen postsowjetischen Staaten haben beobachtet, dass politische Meinungen und Präferenzen stärker durch Wertvorstellungen geleitet werden als durch persönliche Alltagserfahrungen oder ökonomische Interessen. Dieses Phänomen wurde damit erklärt, dass viele Bürger/-innen die materiellen Konsequenzen ihrer Wahlentscheidungen nicht antizipieren können, da keine politischen Parteien mit kohärenten Programmen und klaren Handlungsalternativen existieren. Stattdessen dominiere die Polarität von Staatsmacht und Opposition. Nach dem Ende des staatssozialistischen Systems herrsche große Unsicherheit über gesellschaftliche und politische sowie nationale und moralische Leitbilder; zudem sei die politische Agenda durch Grundsatzfragen statt durch inkrementale Adjustierungen wie in den westlichen Demokratien geprägt.

Diese Erklärungsansätze legen die Vermutung nahe, dass instabile intermediäre Institutionen auch die politischen Eliten veranlassen, ihre öffentliche Kommunikation an Wertvorstellungen statt an pragmatischen Gesichtspunkten oder Zweckmäßigkeiten auszurichten. Die symbolischen Orientierungsleistungen der Eliten scheinen insofern mit den Orientierungserwartungen in der Bevölkerung verbunden.

Seit etwa 2012 lassen sich in Russland jedoch zwei Veränderungen feststellen. Zum einen formierte sich eine breite Protestbewegung, die von vielen Beobachtern als Repräsentation der neuen urbanen Mittelschichten bestimmt und damit als unterscheidbare gesellschaftliche Gruppe mit relativ homogenen Wertvorstellungen verortet wurde. Zum anderen bezog sich der russische Präsident in seinen programmatischen Reden in größerem Maße als früher auf die russische Nation, Tradition und Identität. In dieser Kontinuität wurde die Annexion der Krim als patriotischer Akt nationaler Gerechtigkeit dargestellt und von vielen befragten Russen/-innen begrüßt.

Vor diesem Hintergrund diskutierte der Workshop das Verhältnis von symbolischen Orientierungsleistungen und -erwartungen. Bezeichnen die Veränderungen seit 2012 das Ende der postsowjetischen Übergangszeit verunsicherter Leitbilder und die institutionelle Konsolidierung eines autoritären Regimes? Oder setzen sie die wertlastige Kommunikation fort, die schwache Institutionen ersetzte? Falls diese Kontinuität überwiegt, wie reflektieren konservativ-nationalistische Rhetorik und Politik die zunehmende Differenzierung und Pluralisierung der russischen Gesellschaft? Inwieweit reagieren der Präsident und die herrschende politische Elite auf veränderte Orientierungserwartungen in der Bevölkerung und inwieweit versuchen sie diese zu transformieren? Mit welchen Methoden lässt sich das Verhältnis von symbolischen Orientierungsleistungen und -erwartungen erforschen?

Tagungsprogramm:Programm_141117_pub